Auroville

Nach den Ideen des bengalischen Freiheitskämpfers und Philosophen Sri Aurobindo, der vor der Verfolgung durch die Engländer in die damals französische Besitzung Pondicherry floh, und der Französin Mirra Alfassa, bekannt als die 'Mutter', entsteht diese für 50.000 Einwohner konzipierte Stadt der Zukunft.
Am 28.2.1968 wurde nach dem 1964 gefaßten Beschluß der Sri-Aurobindo-Gesellschaft mit dem Bau der spiralförmig um ein kugelrundes Meditationszentrum angelegten Stadt begonnen, die heute jedoch erst 4.000 Teilzeitbewohner beherbergt, lediglich etwa 700 davon sind Dauerbewohner.
Das Zentrum besteht aus dem erwähnten 'Matrimandir', das noch im Bau ist, einem Amphitheater, in dessen Brennpunkt sich eine Urne mit je einer Handvoll Erde aus 121 Ländern der Erde befindet sowie ein alter Banyantree (Affenschwanzbaum). Der Bau des Matrimandir wird von der indischen Regierung unterstützt. Die künftige Stadt ist in vier zentrale Sektoren, einen Wohnbezirk, einen Kulturbereich, eine Produktionszone und einen internationalen Bereich eingeteilt, die alle von einem Grüngürtel umgeben sein sollen, der auch die biologische Landwirtschaft einschließt.
Der Bau dieser experimentellen, internationalen Stadt wird von verschiedenen Organisationen, wie z.B. der UNESCO, unterstützt. Nach dem Tod der Mutter ging jedoch alles nur noch sehr langsam voran, zumal Querelen mit dem Ashram den Geldfluß blockierten. Nachdem dort eine Finanzprüfung 1980 die Unterschlagung von etwa 10 Mio Rs. feststellte, hat die indische Zentralregierung mit Einverständnis der Aurovillaner die Verwaltung übernommen. Seitdem geht es zügiger voran. Da die Aurovillaner das Matrimandir selbst bauen, zog sich der Bau sehr in die Länge. Nach mehr als zehn Jahren Bauzeit wurde der Rohbau des Matrimandir fertiggestellt. Der Innenausbau ist ebenfalls fertig. Inzwischen gibt es insgesamt 40 kleinere und größere Siedlungen.
Manche Besucher sind enttäuscht darüber, daß von einem 'spirituellen Zentrum' nur wenig zu spüren ist. Die Aurovillaner geben auch offen zu, daß sie noch viel mit den Problemen des täglichen (Über-)Lebens beschäftigt sind. Trotzdem finde ich, daß hier seit der Gründung sehr viel geleistet wurde. Wer diese Steppengegend früher gesehen hat, weiß, wieviel Arbeit allein in der Begrünung dieses Gebietes steckt. Die Zahl der ständigen Bewohner nimmt zu, und es sind Biogasanlagen und die Einführung von Computern geplant.
Ein Besuch lohnt sich auf alle Fälle. Holt euch vorher den aktuellsten Auroville-Plan in La Boutique d'Auroville, 12 Jawaharlal Nehru Street, Pondicherry. Die Boutique ist die einzige offizielle Informationsstelle in Pondicherry. Allerdings wird man dabei wenig Hintergründe erfahren; wer mehr wissen will, sollte schon einige Wochen dort leben. Information gibt's im Informationsbüro in Bharat Nivas. Daneben kann man in einem Laden in Auroville hergestellte Produkte kaufen. Wer überlegt, ganz in Auroville zu bleiben, muß folgenden Aufnahmeritus durchleben: Die ersten 3 Monate gilt er als Gast, danach 9 Monate als 'Newcomer'. Nach diesem Jahr ist die Aufnahme als ständiger Bewohner möglich, und es besteht die Möglichkeit, ein eigenes Haus zu bauen.

Sehenswertes

Auf der alten Madras Beach Road kommend, biegt ihr 5 km hinter Pondicherry an einem Chai-Shop links ein. Ihr kommt bald zur größten Siedlung in Auroville, 'Aspiration', mit ca. 100 Bewohnern. Aspiration ist das pädagogische Zentrum von Auroville. Neben Kindergarten, Schule, Bibliothek, Gesundheitszentrum und Sportanlage werden hier zahlreiche Betriebe aufgebaut. Das benachbarte Fraternity ist mit Weberei und Schreinerei das Handwerkszentrum von Auroville. In der Umgebung gibt es noch einige kleinere Siedlungen. Nach Aspiration geht rechts in Richtung Norden eine Straße von der Hauptstraße ab, die zu den landwirtschaftlichen Siedlungen Utility, Two Banyans und Fertile führt. Diese Siedlungen bemühen sich sehr stark um die Aufforstung des Gebietes. Auf der Hauptstraße geht es weiter nach Certitude. Kurz vorher gibt es eine Abzweigung nach rechts nach Abri und Forecomers, ebenfalls eine vorwiegend landwirtschaftlich ausgerichtete Gemeinschaft.
Von Certitude sind es noch zwei Kilometer bis zum späteren Auroville Zentrum mit dem Matrimandir, dem Amphitheater und dem großen Banyantree. Die früher hier eingezeichnete Siedlung ist in den neuesten Auroville-Karten nicht mehr enthalten, dafür ein Camp für die Aurovillaner, die mit dem Bau des Matrimandirs beschäftigt sind. In der Nähe ist die 'Plant Nursery', die man besuchen kann. Hier werden Versuchspflanzen gezüchtet. Im nahegelegenen Bharat Nivas ist die 'Auroville Information', eines der drei Auroville Informationszentren. Fahrt ihr zurück nach Certitude, kommt ihr nacheinander nach Udavi, mit einer Räucherstäbchenwerkstatt, Hope (hier leben einige Deutsche seit mehreren Jahren) und Auro-Orchard.
Auro-Orchard ist eine große Farm mit über 60 Morgen Land. Dann seid ihr wieder auf der Straße, die nach Pondicherry führt. Die Karte von Auroville hat sich in den letzten Jahren recht verändert, neue Siedlungen sind dazu gekommen. Andere Orte, z.B. Hope und Auroson's Home, sind nicht mehr eingezeichnet. Wir vermuten, daß dies Auswirkungen der Spannungen zwischen den Aurovillanern sind, die sich in zwei Gruppen spalteten. Die bei den Auseinandersetzungen um die Auroville-Gelder mit der Sri Aurobindo Society in Pondicherry sympathisierenden Siedlungen werden von den meisten Aurovillanern nicht mehr als Teil von Auroville betrachtet.

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