Bevölkerung
Indien ist nach der VR China das bevölkerungsstärkste Land der Welt. Die 844 Millionen Inder (Volkszählung 1991, im Vergleich 1981: 685,2 Mio) stellen 17 % der Weltbevölkerung, obwohl sie nur 2,4 % der Erdoberfläche bewohnen. Die Bevölkerungsdichte liegt im Schnitt bei 267 Einwohnern pro qkm. Da sich der Großteil der Bevölkerung jedoch auf die fruchtbare Gangesebene und die Städte konzentriert und weite Teile des Landes wie die großen Wüstengebiete und das Hochgebirge fast unbewohnbar sind, liegt die Dichte teilweise bei über 1000 EW/qkm (BRD: 221 EW/qkm).
Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt 58 Jahre, der Anteil der Jugendlichen unter 18 Jahren an der Gesamtbevölkerung über 40 %. Dreiviertel der Einwohner leben auf dem Lande. Seit der Unabhängigkeit hat sich die Bevölkerung mehr als verdoppelt, und jeden Monat kommen mehr neue Inder hinzu, als Goa Einwohner hat (1 Million). Anders ausgedrückt: alle 1,2 Sekunden wird ein Inder geboren, pro Jahr steigt die Bevölkeung um ca. 17 Mio.. Falls diese Wachstumsrate (1986 2,2 %, 1990 2,1 %) so bleibt, wird die Bevölkerung um die Jahrtausendwende die 1-Milliarde-Grenze überschreiten, Indien also zum bevölkerungsstärksten Land der Erde werden. Ca. 300 Mio. leben unter der Armutsschwelle. Indien ist mit enormen ökologischen Schwierigkeiten konfrontiert; geht die Bevölkerungszunahme so weiter, wird es im Jahre 2000 keinen Wald mehr geben.
Die Familienplanungsprogramme (Beginn 1952) wollten bis zum Jahre 1995 die folgenden Ziele erreichen:
- Die Durchschnittsfamilie soll 2.3 Kinder im Durchschnitt haben, im Gegensatz zu den jetzigen 4.3 Kindern.
- Die Geburtsrate soll 21 Geburten auf 1000 Einwohner betragen. Sie ging in den Jahren 1960 bis 1990 von 42 auf 32 zurück.
- Die Todesrate pro Tausend Einwohner soll auf 9 reduziert werden, ebenso die Kindersterblichkeit auf 60 oder weniger. Die Todesrate ist von 19,4 auf 11,3 gesunken (1960 bis 1990). Die Kindersterblichkeit von 157 auf 99 im gleichen Zeitraum.
- 60 % der Familien sollen in die Familienplanung mit einbezogen werden, entgegen der jetzigen 26 % (1989).
Dies bedeutet einen verstärkten Ausbau des jetzt schon bestehenden Gesundheitssystems. Ebenso versuchen die Inder, gegen zu frühe Heirat und Kindersterblichkeit anzugehen. In größeren Kampagnen werden Camps für Mütter, für Babies, für Sterilisation und Gebrauch von Kontrazeptiven durchgeführt. Indira Ghandi forderte: 'Familiy planning must become a people's movement - of the people, by the people, and for the people.' Es wäre gut, wenn sich die Behauptung, die an vielen indischen Hauswänden prangt: 'Eine kleine Familie ist eine glückliche Familie', bewahrheiten und durchsetzen könnte. Dazu muß Indien jedoch vor allem auch seine ökonomischen Probleme lösen, und die Altersversorgung darf nicht mehr von der Anzahl der Kinder abhängig sein.
Die Familienplanung hat inzwischen Abstand von den noch unter Indira Gandhi betriebenen Zwangssterilisationen Abstand genommen und gibt temporären Verhütungsmitteln (Pille, Kondome, Pessare) den Vorzug.
Ein Hindernis besteht auch darin, daß die Hälfte des Volkes Analphabeten sind. Der wichtigste Grund ist allerdings die fehlende Altersversorgung. Außerdem sind Kinder ein Grund zur Freude und willkommene Arbeitskräfte. Im Grunde ist das Verhalten der indischen Bevölkeung nur zu verständlich, denn auch hier würde kein vernünftiger Mensch auf die einzige soziale Absicherung verzichten, die ihm möglich ist.
Etwa 1/4 der Bevölkerung lebt in Städten; die größten sind: Calcutta mit 11 Millionen, Bombay mit 12,6 Mio., Delhi mit 8,4 Mio., Madras mit 5,4 Mio., Bangalore mit 4,2 Mio., Hyderabad mit 4,3 Mio., Ahmedabad mit 2,6 Mio., Kanpur mit 1,8 Mio., Poona mit 1,7 Mio., Nagpur mit 1,5 Mio., Jaipur und Lucknow mit über 1 Million Einwohnern. Insgesamt gibt es etwa 145 Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern. Die Zahlenangaben schwanken teils erheblich, je nach dem Zählmodus, dem Zeitpunkt der Zählung, ob mit oder ohne Vororte etc..
Sprachen und Ethnien
Etwa 72 % der Bevölkerung sprechen indo-arische Sprachen, vor allem Hindi (38 %), Bengali, Bihari, Marathi, Oriya, Punjabi, Gujarati, Assami, Kaschmiri, Nepali und Urdu, siehe dazu die Karte 'Hauptsprachgebiete'. Im Süden werden Drawida-Sprachen gesprochen, besonders Tamil, Telugu, Malajalam, Kannada, zusammen 25 %.
3 % sind mongolischer Herkunft, wie z.B. die Sprache der etwa 350.000 Einwohner Nagalands im Nordosten.
Staatssprache ist Hindi, doch gibt es daneben 14 verfassungsmäßig garantierte regionale Hauptsprachen. Alle obengenannten außer Nepali gehören dazu, außerdem: Sanskrit. Ohne die Dialekte gibt es zudem noch etwa 220 Sprachen, die jedoch meist nur von kleinen Gruppen und abgelegenen Stämmen gesprochen werden.
Etwa 5 Mio Inder leben im Ausland, hauptsächlich in Süd- und Ostafrika, Südost-Asien und in Nordamerika sowie am Persischen Golf.
In Indien leben etwa 20 000 Tibeter und 12 000 Chinesen, Perser, Afghanen sowie verschiedene kleinere europäische Gruppen. Insgesamt 65.000 Ausländer.
Wer sich für 'niedrige Kasten' und Stammeskulturen interessiert, wende sich an die 'Tribal Research Institutes', z.B. in Ahmedabad, Udaipur oder Calcutta (siehe jeweils dort). 7 % der Bevölkerung sind solchen Stämmen zugeordnet, wovon der Großteil im Nordosten, in Orissa und Rajasthan/Gujarat lebt. Zurück zur Seite Landeskunde Zurück zur Titelseite Indien