Islam

Der Islam ist eine streng monotheistische Religion, die von Mohammed gestiftet wurde. Mohammed wurde 570 n.Chr. geboren. Durch visionäre Erlebnisse fühlte er sich zum Propheten des einzigen Gottes (Allah) berufen. Er erkannte Moses und Jesus ebenfalls als vorläufige Propheten an, jedoch Jesus nicht als Sohn Gottes.
Es gibt nur Allah, und es ist eine Sünde, ihn durch ein Bildnis darzustellen. Mohammed starb 632 in Medina, in das er 622 mit seinen Anhängern aus seiner Geburtsstadt Mekka geflohen war.
Bei seinem Tode war der Islam schon weit verbreitet, und seine Nachfolger, die Kalifen, brachten den Islam mit 'Feuer und Schwert' im 11. und 12. Jh. nach Indien. Nach dem Koran ist die islamische Glaubensgemeinschaft zum Glaubenskrieg (Dschihad) verpflichtet. 'Ziel des Dschihad ist nicht die Bekehrung der Ungläubigen, sondern die Ausdehnung der Herrschaft der islamischen Staats- und Gesellschaftsordnung, die von Andersgläubigen nur die Unterwerfung fordert und dafür freie Religionsausübung garantiert' (nach Meyers Taschenlexikon). Deshalb hat der Islam auch nie große Erfolge in Indien erzielt, nur Kastenlose und Niedrigkastige traten zu ihm über. Gleichzeitig erklärt diese Aussage das Hegemoniestreben der islamischen Invasoren und ihrer Nachfolger in Indien.
Um Anhänger des Islam zu sein, muß man als Mindestvoraussetzung das Glaubensbekenntnis sprechen können: 'La-illaha-illa-Allah, Mohammed-ar-Rasul-Allah', was nach Indries Shah bedeutet: 'Nichts verehrt außer der Gottheit, der Gepriesene, der Gesandte des Verehrungswürdigen'. Normalerweise wird es folgendermaßen übersetzt: 'Es gibt keinen Gott außer Allah ,und Mohammed ist sein Prophet'. Außerdem sind bestimmte Regeln einzuhalten: fünfmal täglich gen Mekka gewandt beten, Einhaltung des Ramadan (Fastenmonat), den Armen Almosen geben, kein Schweinefleisch essen, keinen Wein trinken, sich nicht am Glücksspiel beteiligen. Polygamie ist erlaubt, jedoch nur vier Frauen nach dem Koran. Die Stellung der islamischen Frau ist nach unseren Maßstäben wenig beneidenswert.
Es gibt zwei islamische Hauptrichtungen, die sunnitische und die schiitische Glaubensgruppe. Die meisten n Moslems sind Schiiten, die sich auf Mohammeds Schwiegersohn Ali, der von einem Gegner ermordet wurde, berufen. Sie nehmen an, daß nur ein direkter Nachkomme oberster Imam (Oberhaupt der Gemeinde) sein kann. Das Fest Moharram gilt dem dritten Imam Husein, einem Sohn Alis, der auch ermordet wurde. Die Sunniten, denen 90 % aller Mohammedaner angehören, erkennen dagegen auch die indirekten Nachkommen als rechtmäßig an. Sie beziehen sich auf die Sunna, ein Werk, in dem alles von Mohammed Bekannte, seine Aussagen, Entscheidungen etc., niedergeschrieben ist.
Nach der Teilung Britisch-Indiens in Indien und Pakistan wanderten viele Mohammedaner nach Pakistan aus. Dabei traten alte Spannungen zwischen Sikhs und Mohammedanern wieder deutlich hervor (siehe auch Sikhs und Geschichte) und kosteten Tausenden das Leben. In Indien leben heute etwa 100 Mio. Moslems.
Dem hinduistischen Denken ist der Islam sehr wesensfremd, das Verzehren von Tieren, das Verbot der Darstellung von Gott, Menschen und Tieren, die Ablehnung der Wiedergeburt. Es gab Versuche, Hinduismus und Islam zusammenzubringen, was zur Sikhreligion durch Guru Nanak führte, deren Anhänger jedoch von den Moslems verfolgt wurden. Verfolgt wurden zuerst auch die Sufis, eine mystische Bewegung, die innerhalb des Islam im 8. Jh. entstand. Der Sufi strebt ebenso wie der Yogi nach der Vereinigung mit Gott. Er legt wenig Wert auf die Erfüllung der religiösen Gesetzespflichten. Erst dem Theologen Al Ghasali (11. Jh.) gelang es, der offiziellen Theologie den Sufismus näherzubringen. Für den Sufi ist die Essenz aller Religionen die gleiche, wie auch für alle anderen großen Lehrer. In Indien entstanden mehrere Sufi-Gemeinschaften, die es auch heute noch gibt. Sufis werden in Indien als wundertätige Heilige verehrt. Wer sich für den Sufismus interessiert, sollte 'Die Sufis' von Indries Shah (Diederichs Gelbe Reihe) und 'Ich ging den Weg des Derwisch' (Diederich) lesen.
Bekannt sind bei uns vor allem die Sufi-Witze, obwohl sie bei uns meist als Irrenwitze erzählt werden. Sie handeln meist vom Mulla (Meister) Nasrudin, eine Figur, die die Derwische erfanden, 'um mit ihr Momentaufnahmen von Situationen zu geben, in denen bestimmte Zustände des Bewußtseins deutlich werden' (Indries Shah). Diese Geschichten sind gleichzeitig auf vielen verschiedenen Bedeutungsebenen begreifbar. Durch das 'gewisse Etwas', was in ihnen enthalten ist, sollen sie dem angehenden Sufi bei seiner Selbstverwirklichung weiterhelfen. Hier ein Sufiwitz:
Jeden Tag ging Nasrudin mit seinem Esel über die Grenze, die Lastkörbe hoch mit Stroh beladen. Da er zugab, ein Schmuggler zu sein, durchsuchten ihn die Grenzwachen immer wieder. Sie machten Leibesvisitationen, siebten das Stroh durch, tauchten es in Wasser und verbrannten es sogar von Zeit zu Zeit. Nasrudin wurde unterdessen sichtlich wohlhabender. - Schließlich setzte er sich zur Ruhe und zog in ein anderes Land. Dort traf ihn Jahre später einer der Zollbeamten. 'Jetzt könnt Ihr es mir ja verraten, Nasrudin', sagte er. 'Was habt Ihr damals bloß geschmuggelt, als wir Euch nie etwas nachweisen konnten?' - 'Esel', sagte Nasrudin.
Die Sufis haben ein eigenes Codesystem. So ist in jedem Sufinamen, z.B. 'Fariduddin Attar' oder 'Al Ghasali', eine Botschaft versteckt. Die Botschaft wird entschlüsselt durch eine terminologische Analyse. Die arabischen Wurzeln der Worte, meist nur Buchstabenkombinationen aus zwei oder drei Buchstaben, schließen viele Bedeutungsinhalte ein, die das Wesen des Namens näher beschreiben. Ebenso sind einzelnen Buchstaben bestimmte Zahlen zugeordnet, wodurch bei der Aufschlüsselung von Buchstaben in Zahlen und wieder in Buchstaben neue Bedeutungsgehalte entstehen. Die Sufis arbeiten mit Musik und Tanz (Derwischtanz). Der angehende Sufi wird meist von einem Scheich (Lehrer) unterrichtet und gehört einer Sufigemeinschaft an.


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