Omen & Astrologie
Das Leben und Denken der Inder wird teilweise noch vom Glauben an Omen, d.h. günstige oder ungünstige Zeichen, beeinflußt. Im Mahabharata finden sich Textstellen, in denen berichtet wird, wie sich am Morgen einer Schlacht viele ungünstige Omen zeigen, der Feldherr sich davon nicht beeindrucken läßt und dann die Schlacht verliert. Viele dieser Omen sind mit Reisen verbunden: Regen wird z.B. bei der Ankunft an einem Ort als gutes Omen, als Segen des Himmels empfunden, während er bei der Abfahrt als schlechtes Omen gilt. Ebenso sind Reisen in bestimmte Himmelsrichtungen mit bestimmten Wochentagen verbunden. Montag und Samstag sind keine Tage, um nach Osten zu reisen. Dienstags und mittwochs sollte man nicht nach Norden fahren, donnerstags nicht nach Süden, freitags und sonntags nicht nach Westen. Wer einen Ort am Mittwoch verläßt, wird an diesen nicht mehr zurückkehren. Außerdem sollte nie eine lange Reise an einem Donnerstagnachmittag begonnen werden. Nehmt das alles nicht so ernst, ich find's nur einfach interessant, was es so alles gibt.
Überreste davon sind aber auf jeden Fall noch in Nepal zu finden. Es kann schwierig werden, einen Nepali zu einem Reiseantritt am Samstag zu bewegen. Samstag und Dienstag gelten als sehr 'inauspicious', ungünstige Tage. Deshalb werden in Dakshinkali dienstags und samstags Tiere geopfert, um die Göttin Kali günstig zu stimmen und ihren Schutz für diese ungünstigen Tage zu erlangen.
Als gutes Omen gilt es, einen toten Körper zu sehen. Wer im Traum einen Elefanten trifft, kann dies als Zeichen für kommenden Reichtum deuten. Legenden um die Geburt des Buddha erzählen, daß seine Mutter von einem Elefanten träumte, was sie als glücksverheißendes Zeichen ansah.
Eine wichtige Rolle spielt die Astrologie. Bei Geburt eines Kindes, Ehepartnersuche, größeren geschäftlichen Unternehmungen und längeren Reisen wird meist ein Astrologe befragt. Er kann mittels des Horoskops die günstigen und ungünstigen Tage berechnen.
Bei der Teilung Indiens in Indien und Pakistan hatten alle Astrologen von dem bestimmten Datum abgeraten, an dem die Teilung stattfand (15.8.1947), da dies ein äußerst ungünstiger 'inauspicious' Tag sein sollte. Eine Bestätigung für ihre Prognose sahen sie in dem darauffolgenden Bruderkrieg. Außerdem hatten sie auf das Jahr genau die Teilung West- und Ost-Bengalens in Pakistan und Bangladesh vorhergesagt.
Eltern, die ihre Söhne oder Töchter verheiraten wollen, konsultieren zuerst einen Astrologen mit den Daten des möglichen Partners. Wenn zwei zusammenpassende Horoskope festgestellt werden, ist die Ehe günstig. Dahinter steht die Theorie, daß jeder seinem Karma entsprechend geboren wird, Tag und Stunde seiner Geburt nicht zufällig sind und so zwei harmonische Horoskope anzeigen, daß die beiden schon im früheren Leben beschlossen haben, zusammen zu leben. Der Astrologe berechnet auch den günstigen Tag und die Uhrzeit für die Heiratszeremonie. Da immer der Planet Venus am Himmel stehen muß, werden an bestimmten Tagen besonders viele Ehen geschlossen.
Das indische Horoskop unterscheidet sich etwas von dem uns bekannten Horoskop. Die Planeten Kethu und Rahu werden noch in die Berechnung miteinbezogen. Zwischen dem indischen und unserem Horoskop ergibt sich auch eine Verschiebung in den Sternzeichen. Wer bei uns das Sternzeichen Skorpion hat, wird nach dem indischen Horoskop als Waage angesehen etc.
Bei Problemen suchen Inder manchmal einen Pandit auf. Der Pandit ist ein Schriftgelehrter, der über alte Texte verfügt. Nach seinen Aussagen ist in diesen Texten jedes Leben enthalten. Anhand von Astrologie und Handlesen, manchmal auch nach Bestimmung der Uhrzeit, des Tages, Länge des Schattens des Ratsuchenden etc., sieht er sich in der Lage, die richtige Stelle in seinem Buch zu finden und Aussagen über die Zukunft und Vergangenheit des Fragenden zu treffen. Es bleibt jedem überlassen, was er davon hält.


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