Pondicherry
Das gesamte Territorium hat etwa 500.000 Einwohner, die Stadt selbst ca. 100.000 EW; 6.2 qkm; 160 km südlich von Madras an der Ostküste gelegen. Seit dem Abzug der Franzosen, die von hier aus bis 1954 ihre Besitzungen verwalteten, ist das ehemalige Kolonialgebiet als Unionsterritorium direkt der indischen Zentralregierung unterstellt. Wie in dem ehemals portugiesischen Goa ist die Bevölkerung darauf bedacht, den einmaligen Charakter vermischter südindischer und europäischer Kultur zu bewahren.
Neben Tamil sprechen viele Leute fließend Französisch, was heute noch in den Schulen gelehrt wird. Auch das streng geplante Straßenbild ist stark französisch geprägt. Ein 1962 mit den Franzosen abgeschlossener Vertrag sieht vor,die französische Kultur zu bewahren und zu pflegen. 1979 kam es zu einem wahren Volksaufstand nach Gandhis Vorbild, als die Zentralregierung die Vereinigung Pondicherrys mit dem angrenzenden Bundesstaat Tamil Nadu erwog. Eine Zusammenlegung, an der selbst die meisten Bürger von Tamil Nadu nicht interessiert waren, da mit der französischen Kultur auch die Freiheit zum Alkoholgenuß verbunden gewesen wäre,und Alkohol im damals noch 'trockenen' Tamil Nadu verboten war. Die zwei Hauptattraktionen des heutigen Pondicherry sind der Sri Aurobindo Ashram und die internationale Stadt Auroville auf eigenem Gebiet außerhalb Pondys, beide benannt nach dem großen indischen Philosophen und Freiheitskämpfer Sri Aurobindo, der in Pondy zusammen mit einer französischen Frau, der 'Mutter', lebte.
Sehenswertes
Sri Aurobindo-Ashram: Das weltbekannte Zentrum des integralen Yoga zieht Tausende von Besuchern aus aller Welt an. Der Ashram engagiert sich gemäß den Ideen und Lehren Aurobindos und der Mutter (siehe auch unter Sri Aurobindo und Auroville) auch in landwirtschaftlichen, handwerklichen, industriellen und künstlerisch-kulturellen Aktivitäten.
Auch das Grab des Philosophen befindet sich hier in dem 1920 von ihm selbst gegründeten Zentrum und ist Ziel von Pilgern, die sich hier zum stillen Gebet treffen. Abends ist um etwa 19.00 Uhr gemeinsame Meditation für alle, die teilnehmen wollen. Zum Besuch vieler Ashrameinrichtungen braucht man einen Visitors-Paß. Den gibt es in den Ashram-Gästehäusern, wenn man dort wohnt, oder beim Ashram Besucherdienst. An denselben Stellen gibt es auch die Essensmarken für die Ashramkantine.
Kristallisationspunkt französischer und indischer Kultur ist die nach dem großen französischen Sanskrit-Kenner, Indien- und Hesse-Freund Romain Rolland benannte Bibliothek und das angeschlossene Museum in der Rue Capucine. Viele finden die Bibliothek jedoch zu wenig sortiert und zu unübersichtlich.
Ein Besuch des gut restaurierten, bunten, drawidischen Shiva-Tempels in der M. Gandhi Road lohnt sich auf jeden Fall, auch wenn er bisher in keinem Touristenreiseführer erwähnt wurde. Nahebei liegt der Main Bazar.
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