Die Religion der Sikhs
Die Sikhs leben etwa zur Hälfte im nordwestlichen Bundesstaat Punjab mit der Hauptstadt Amritsar, deren 'Goldener Tempel' auch religiöses Zentrum ist. Hier wird das heilige Buch 'Granth', in dem die Lehren niedergeschrieben sind, aufbewahrt. Im Punjab stellen die Sikhs mit 52% die Bevölkerungsmehrheit.
Sikhs sind an den prächtigen Turbanen und ihren langen hochgebundenen Bärten zu erkennen. Sie waren ursprünglich eine hinduistische Sekte, von Guru Nanak (1469 - 1538) gegründet, die sich um eine Verständigung von Hinduismus und Islam bemühte. Ihre Verfolgung durch die Muslime bewegte ihren Guru Govind Singh, den letzten der zehn Sikh-Gurus dazu, die pazifistische Vereinigung in eine kämpferische Organisation umzuwandeln. Alle Mitglieder tragen den gemeinsamen Nachnamen 'Singh', was 'Löwe' bedeutet. Für sie gilt ebenso wie für die Hindus die Karmalehre und die Lehre vom Geburtenkreislauf. Das hinduistische Kastensystem lehnen sie ab.
Ein trauriges Kapitel in ihrer Geschichte sind die blutigen Auseinandersetzungen im Punjab zwischen Sikhs und Moslems während der ersten Tage der Unabhängigkeit Indiens und seiner Teilung in die Indische Bundesrepublik und Pakistan 1948. Damit war ja auch der Punjab geteilt worden. Diese Zeit ist gut beschrieben in dem Buch 'Freedom at Midnight' von Collins/Lapiere.
Ansonsten zeichnen sich die Sikhs durch Gastfreundschaft, Nächstenliebe, Toleranz und Dankbarkeit aus. Ihre Tempel kann jeder betreten, und auch jeder kann dort Nahrung bekommen. Sie leben nach strengen Vorschriften: sie rauchen nicht, trinken keinen Alkohol, schneiden weder Kopf- noch Barthaar. Sie haben viel Macht in der Gesellschaft, bekleiden wichtige Ämter in Verwaltung und Militär und sind oft erfolgreiche Geschäftsleute. Ihr Interesse gilt vor allem technischen Berufen. Ihren Frauen gewähren sehr viel mehr gesellschaftliche Freiheit als die anderen indischen Religionen.
Nach den Unruhen in den Jahren 1984 und 1985 herrscht derzeit relative Ruhe im Punjab, wenngleich radikale Sikhs weiterhin die Stimmung anzuheizen versuchen. Es scheint ein Polarisierungsprozeß im Gange zu sein. Siehe auch unter 'Geschichte & Staat' den Exkurs über die Unruhen 1984. Seit Anfang 1989 ist der Punjab wieder für Touristen geöffnet. Es bleibt zu hoffen, daß diese positive Entwicklung weitergeht.
Empfehlenswert ist das Buch von Sarah Lloyd `Eine indische Liebe' erschienen bei rororo in der Reihe 'Neue Frau'. Es schildert die Liebe zwischen einer Europäerin und einem Sikh. Zurück zur Seite Religionen Indiens Zurück zur Indienseite